#Wahrheit#Wahrhaftigkeit

Vor wenigen Minuten hat Daniel Ellsberg in der Semperoper den Internationalen Friedenspreis erhalten. Live zugeschaltet – Edward Snowden. Whistleblower, der Urvater und sein Meisterschüler. Interessant ist, dass es im Deutschen kein adäquates Wort gibt für das, was beide getan haben. Ellsberg bekam auf seine diesbezügliche Frage die Antwort: „Verräter oder Petze“. Das klingt aus seinem Mund und von der Semperbühne besonders. Auch dafür gibt’s im Deutschen kein Wort. Ellsberg hat durch die Weitergabe der Pentagon-Papiere u.a. dazu beigetragen, dass die Welt die Wahrheit über den Vietnamkrieg erfährt. 1969, am 1. Oktober, schmuggelte er zum ersten Mal in einer Aktentasche Unterlagen an den Wachleuten vorbei. 7.000 Seiten hatte er einem Journalisten der New York Times übergeben. 1971 begann die Zeitung mit der Veröffentlichung. Heute sagt Ellsberg, dass er viel früher hätte damit beginnen sollen, Materialien zu schmuggeln. Seiner Meinung nach hätte er mehr Menschen das Leben retten können. Der Vietnamkrieg wäre womöglich eher beendet worden. Doch das sind Spekulationen. „Was alle Whistleblower eint“, sagt Ellsberg, sind drei Fakten: 1. Keiner hat damit gerechnet, diese Wirkung zu erzielen, 2. alle haben einen hohen Preis bezahlt und alle haben es nicht bereut und 3. alle Whistleblower bedauern, dass sie nicht früher, nicht deutlicher, nicht lauter gesprochen haben.“ So ist es nur schlüssig, dass Ellsberg eine Mission für uns hat: Wartet nicht, bis Bomben fallen, sagt die Wahrheit.“

Bui Truong Binh hat Daniel Ellsberg den Preis überreicht. Bui Truong Binh hat mit 19 Jahren Vietnam verlassen. Damals war Krieg in seiner Heimat und die Familie wollte, dass wenigstens einer von ihnen den Krieg überleben sollte. Binh hat die Amerikaner gehasst, sagt er. „Heute ist es ihm eine große Ehre als Vietnamese einem guten Amerikaner diesen Preis zu überreichen.“ 20160221_125311

Auch Ellsberg glaubt an die Veränderung. „Menschen können sich ändern. Mit ihrer Veränderung prägen sie auch ihr Land neu. Das ist möglich. Das sind ehrliche Prozesse“, sagt der heute 84jährige. Wir müssen uns nur immer wieder bewusst machen, wer ein Tyrann ist, nennt sich nicht so und niemand will Untertan sein. Es bedarf schon des Hinsehens und Denkens, Vor- und Nachdenkens. Naivität ist gefährlich. Also lasst uns ganz direkt die Wahrheit sagen. Warum ausgerechnet im Programm zu dieser Veranstaltung die Icons für Kamera- und Handyverbot abgedruckt waren, kann ich nicht erklären. Klar, Handy lautlos, dass ist Ehrensache. Aber Fotoverbot? Alle Anwesenden sollten unter dem #Wahrheit mal wieder etwas Gutes aus Dresden posten und twittern und der Welt zeigen, was geht. Und es ist möglich. Vom 3. Rang aus konnte ich deutlich sehen, dass das Fotoverbot erfreulich oft gebrochen wurde. Recht so. Und bitte, weitersagen. Mission Wahrheit läuft.

Veröffentlicht von

Rosa Hauch

geboren 1963 in Ueckermünde und in manchen Dingen auch fischköppig geblieben, zwei Kinder, in Lebensgemeinschaft lebend, Journalistin, Dozentin Erwachsenenbildung, Diplomökonomin

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