4. Etappe: Fahr ehrer gesucht

Seeeejo, sehehejo,…in aller Munde ist SEO. Suchmaschinenoptimierung….Search engine optimizing, um im IT-Sprech korrekt zu bleiben.

Die Idee dahinter:

Schreibe den Text, mit dem Du viele Menschen erreichen und begeistern möchtest so, dass eine Maschine, der Google-Robot, ihn lesen, einordnen, empfehlen und als Suchergebnis ausspucken kann, damit sie der gesuchte neue Leser auch finde, wenn er über Suchmaschinen ein bestimmtes Wort eingibt, um dazu Inhalte zu finden und sie anschließend lesen bzw. weiterverarbeiten kann.

Wow, Thomas Mann hätte seine Freude an diesem Bandwurmsatz. Oder auch nicht. Denn wenn konsequent alles Redaktionelle, Textliche im Internet so aufgearbeitet wird, hätte die Überschrift dieses Artikels überhaupt keine Chance. „Fahr ehrer gesucht“ stand auf der Heckscheibe eines vor mir fahrenden, weißen Fahrschulautos. Irgendjemand hat dem Chef das „l“ entwendet. Der gesuchte Lehrer ist ein ehrer. Wenn der gesuchte neue Mitarbeiter der Fahrschule ein guter Lehrer ist, wird er sowohl das Fahrzeug als auch den Fahrschüler und das Fahren ehren und einen respektvollen Unterricht veranstalten, ohne klischeeübliches Anschreien und Machogehabe. Sogesehen ist das geklaute „l“ der Schlüssel zu einer perfekten Charakterbeschreibung für diese Stelle. Genau so einen Typen sucht die Fahrschule. Ohne Worte und mit einem Buchstaben weniger den Gesuchten so effizient beschrieben, wie es besser nicht geht. Das Auge bleibt am fehlenden „l“ hängen und schon arbeitet der Geist optimal unoptimiert. Das menschliche Auge schaut auf. Google-Robot muss passen. Das Schlüsselwort fehlt.

Wir haben weder Keywords in der Headline, noch im Title-Tag, schon gar nicht im Description-Tag, kein Bild mit Alt-Tag oder Bildunterschrift, kein Keyword im Vorspann, nee, Teaser, wenn schon. Es gibt keine Zwischenüberschriften, keine Nebenkeywords, keine Anchor-Texte mit Keywords und auweija, die Keyword-Density, die Süße, überhaupt keine Bedeutung hat die Arme.

Es soll so sein, und darin sind sich alle Texte im Netz zu SEO einig, dass das alles nur erfunden wurde, um den Leser in den Mittelpunkt zu rücken.

Wenn wirklich alle Texter dieser Welt das ernst nehmen, sehen Firmenseiten bald aus wie die Korridore einschlägiger Hotelketten. Wo auch immer Du bist, ist an der gleichen Stelle der Lichtschalter. Für das Orientieren in der Dunkelheit hat das Vorteile. Bei Textinhalten über Waschpulver oder Autoreifen hab ich Zweifel.

Erst wenn Google-Robot anmeldet, dass er auch mal Lachen möchte, dass er Seiten originell finden will, dass er etwas noch in Jahren erinnern will, dann haben Handschriften wieder eine Chance.