11. Etappe: Ich bin in der elften Woche

Ich bin in der elften Woche. Ohne Job. Wie bei Schwangerschaften ist die Zeit des akuten, permanenten Übergebens jetzt vorbei. Schlecht wird mir aber immer noch. Jedoch mach ich mir nichts mehr draus, zu Seniorenzeiten im Fitty zu trainieren. Ich geb zu, anfangs hatte ich mit dem Gedanken gespielt, wie immer, 7.00 Uhr vor der Tür zu stehen. Dann denken alle, die geht noch zum Dienst. Geht sie aber nicht. Und niemanden interessiert das. Wenn ich es nicht erzähle, gefragt wird nicht.

In der elften Woche habe ich mich schon neunmal in die unterschiedlichsten Unternehmen hineingedacht, mich mit Produkten und Lösungen auseinandergesetzt und identifiziert. Philosophien gelesen und verstanden, neue Schuhe und Shirts für Gespräche gekauft. Drei Anzeigen, sechs Initiativbewerbungen. Initiative zu ergreifen, bekommt mir besser. Anzeigen werden auch geschrieben, wenn es sein muss und intern eigentlich schon alles klar ist, was alle wissen, aber keiner wissen darf.

Hinter den Kulissen passiert so einiges.

Ohne Job zu sein, verlangt viel Energie. Es gibt keine Routinen mehr. Es braucht neue Tagesabläufe, mehr Optimismus als sonst, jeden Tag neue, zielführende Ideen, realisierbare Pläne, die nichts kosten.

Jetzt weiß ich noch genauer, warum ich mir jedes Wort genau überlegt habe bei den Texten für itsax.de. Gründeridee vor mehr als fünf Jahren war der Umgang und das „wie weiter“ mit abgelehnten Bewerbern der IT-Branche. Oft sind die Anforderungen so sehr speziell, dass auch die besten Bewerber von einem Unternehmen nicht genommen werden können. Wenn sie jedoch so gut sind, dass man sie jederzeit empfehlen kann, werden sie mit einem Empfehlungscode einem Pool an Unternehmen präsentiert. Diese wiederum können so schneller ihre Fachkräfte finden.
Schöne Idee und vor allem am Selbstbewusstsein des Bewerbers orientiert. Es geht um Menschen, um Talente, um Chancen und Zukunft.
Im wirklichen Leben einer ganz anderen Branche geht das Ablehnen von Kandidaten so: „…Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir Ihre Bewerbung auf Grund der Vielzahl der eingegangenen Bewerbungen nicht berücksichtigen können. …“
Dann lieber gar keine Post.
Es geht immer um Menschen, um Talente, um Chancen und Zukunft.