15. Etappe: Mein erstes Mal

Wie immer am Wettkampftag fällt das Aufstehen leichter als sonst. Der Wecker hub gerade an, etwas sagen wollen, schon springe ich auf. Der Lauf in den Frühling soll es werden. Und diesmal möchte ich nicht die Letzte sein.

Vor genau einem Jahr bin ich eine Stunde lang als Allerletzte vor dem Besenfahrrad daher gelaufen. Hab mich bei jedem Streckenposten extra bedankt und quasi damit entschuldigt, dass das Mittagessen kalt wurde. Die wollten alle längst zuhause sein, glaub ich. Im Zielbereich wurde schon gepackt. Allerdings war auch nirgends in den Ausschreibungsunterlagen zu lesen, dass es eine Mindestzielzeit gibt. Am Ende waren es zwei Stunden und fünf Minuten. Mit einer solchen Halbmarathonzeit kommen viele rein. Doch in Freital sind die meisten Starter Mitglied in einem Sportclub und also schneller unterwegs als reine Hobbysportler.

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil, auch beim Laufen.
Die Enttäuschungstränen waren am Mutti-Tag-Morgen also wieder präsent. Nicht Letzte werden, war die Parole. Ich wollte die Revanche am Rabenauer Grund. Die Weißeritz ist mein Zeuge.
Das Nachmeldungsprocedere war auf jeden Fall schon mal professioneller. Jeder bekam eine ordentliche Startnummer und kein handgeschriebenes Wurstblatt. Super. Das stimmt schon mal. Doch wie komme ich jetzt vom Toi-Modus in den Freu-Modus? Zum x-ten Mal verschwinde ich im dunklen Gang mit dem Lokomotivwandgemälde des Einkaufszentrums.
Im Startbereich treffe ich dann einige Lauffreunde, die sich den schnellen Zehner vorgenommen haben. Wir wünschen uns gegenseitig viel Spaß und schon wird runter gezählt. Zehn, neun, … ach du dammig, … schon wieder fast nur Männer, jung, lang, sicher sehr schnell, … drei, zwo, eins, Start.

Die ersten zwei Kilometer fühlen sich an, als hätte ich Blei an den Füßen. Doch das ist immer so. Ab vier wird’s besser. Und es blieb besser. Die Hügelchen machten mir diesmal nichts aus. Laufen macht Spaß. Da war er, der Freu-Modus. Und er liegt eindeutig bei 110 Prozent, wenn du als kleene Muddi den einen und anderen langbeinigen Durchstarter einkassierst.
Maria und Helge liefen ein gutes Tempo und ich hängte mich einfach an sie dran. Irgendwann hörte ich etwas von unter zwei Stunden, denn die beiden waren im Gegensatz zu mir mit Uhr unterwegs. Unter zwei Stunden, ja, das wäre komplett in Ordnung.
Am Ende wurden es eine Zeit von 01:52:08. 13 Minuten schneller als im vergangenen Jahr und als ich die Urkunde holen wollte, hieß es: „Bitte zur Siegerehrung. Dort gibt es auch die Urkunde.“ Es gab noch die Altersklassengoldmedaille und ein Geschenk mit Bombastus-Tees und Lutschbonbons. Bombastisch.

Mein erstes Treppchen. Was für ein Mutti-Tag.