16. Etappe: Schokigenuss auch bei 30 Grad

Schokolade ist das wahrscheinlich gesündeste Lebensmittel der Welt. Das zumindest behauptet Dr. Feil und er hat auch Studien gefunden, die beweisen, dass bereits 6,3 Gramm dieser Köstlichkeit den Blutdruck senken können, das Wohlbefinden steigern werden und mit jedem Biss ein Verliebtheitsgefühl gezaubert wird. Hör auf Deinen Bauch.

Deshalb hier, brühwarm, sein Rezept für Gewürzkakao „Eine Tasse Milch erhitzen. 4 gehäufte TL Kakaopulver sowie 2 TL Honig einrühren. Je nach Geschmack mit Gewürzen und Antioxidantien verfeinern – schon fertig. Zimt, Ingwer, Kurkuma, Pfeffer, Chili passen otpimal zu einer heißen Schokolade und sollten großzügig verwendet werden.“
Super, oder? Für kalte Wintertage auch genau das richtige. Doch was nützt ein neu entdecktes Superfood für Oktober bis April? Wenn ab Mai die Sonne das tut, wofür sie geboren wurde, macht Schokoladeessen keinen Spaß mehr. Hände verschmiert, weiße Hose gebräunt, Teilen geht gar nicht und Einteilen erst recht nicht.

Wie wird Schokoladeessen auch bei 30 Grad im Schatten zum Genuß?

Für Ausdauersportler: Die Lösung steht am Wegesrand

Kühlschrank am WegesrandGerade bei langen Läufen ist ein Energieschub hilfreich. Auch die Radler nutzen Riegel und Gels. In Friesland, wo am Pfingstmontag die legendäre Radtour durch elf Städte über 240 Kilometer führt, hab ich am Wegesrand diesen Kühlschrank entdeckt. Hier gibts Ziegenkäse, Eier und Marmelade. Warum nicht auch Schokolade? Die Kasse des Vertrauens hängt in der Ecke und Sportler sind ehrliche Leute. Diese Idee wäre an jeden Radweg exportierbar. Kühltasche

Die Shopper unter uns kennen die Kühltaschen aller Art. Doch so ein Riegelchen wirkt alleine recht verloren in den Untiefen dieser Tasche.

Die Australier packen alle Dosengetränke in Isolierbecher.

Gibts schon Dosenschoki? Becher

 

Akku

Kühlakkus stehen auch in keinem Verhältnis zur Köstlichkeit.

 

Ein Leben ohne Schoki ist möglich, aber sinnlos.

Wie wäre es, wenn die Flexibilität der Kühltasche mit der Kühle der Akkus kombiniert wird und eine Funktion wie bei der Dose entstünde?

Die Kühlmanschette für die Schokoladentafel. Wie eine Handytasche, nur mit ganz realem Inhalt.

So eine Schokikühlung kann jeder individuell und selbst gestalten. Fotos applizieren, mit Permanentschreibern Sprüche und Grüße notieren, sich selbst motivieren oder Freunde beschenken.

Das wird Spaß machen.

15. Etappe: Mein erstes Mal

Wie immer am Wettkampftag fällt das Aufstehen leichter als sonst. Der Wecker hub gerade an, etwas sagen wollen, schon springe ich auf. Der Lauf in den Frühling soll es werden. Und diesmal möchte ich nicht die Letzte sein.

Vor genau einem Jahr bin ich eine Stunde lang als Allerletzte vor dem Besenfahrrad daher gelaufen. Hab mich bei jedem Streckenposten extra bedankt und quasi damit entschuldigt, dass das Mittagessen kalt wurde. Die wollten alle längst zuhause sein, glaub ich. Im Zielbereich wurde schon gepackt. Allerdings war auch nirgends in den Ausschreibungsunterlagen zu lesen, dass es eine Mindestzielzeit gibt. Am Ende waren es zwei Stunden und fünf Minuten. Mit einer solchen Halbmarathonzeit kommen viele rein. Doch in Freital sind die meisten Starter Mitglied in einem Sportclub und also schneller unterwegs als reine Hobbysportler.

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil, auch beim Laufen.
Die Enttäuschungstränen waren am Mutti-Tag-Morgen also wieder präsent. Nicht Letzte werden, war die Parole. Ich wollte die Revanche am Rabenauer Grund. Die Weißeritz ist mein Zeuge.
Das Nachmeldungsprocedere war auf jeden Fall schon mal professioneller. Jeder bekam eine ordentliche Startnummer und kein handgeschriebenes Wurstblatt. Super. Das stimmt schon mal. Doch wie komme ich jetzt vom Toi-Modus in den Freu-Modus? Zum x-ten Mal verschwinde ich im dunklen Gang mit dem Lokomotivwandgemälde des Einkaufszentrums.
Im Startbereich treffe ich dann einige Lauffreunde, die sich den schnellen Zehner vorgenommen haben. Wir wünschen uns gegenseitig viel Spaß und schon wird runter gezählt. Zehn, neun, … ach du dammig, … schon wieder fast nur Männer, jung, lang, sicher sehr schnell, … drei, zwo, eins, Start.

Die ersten zwei Kilometer fühlen sich an, als hätte ich Blei an den Füßen. Doch das ist immer so. Ab vier wird’s besser. Und es blieb besser. Die Hügelchen machten mir diesmal nichts aus. Laufen macht Spaß. Da war er, der Freu-Modus. Und er liegt eindeutig bei 110 Prozent, wenn du als kleene Muddi den einen und anderen langbeinigen Durchstarter einkassierst.
Maria und Helge liefen ein gutes Tempo und ich hängte mich einfach an sie dran. Irgendwann hörte ich etwas von unter zwei Stunden, denn die beiden waren im Gegensatz zu mir mit Uhr unterwegs. Unter zwei Stunden, ja, das wäre komplett in Ordnung.
Am Ende wurden es eine Zeit von 01:52:08. 13 Minuten schneller als im vergangenen Jahr und als ich die Urkunde holen wollte, hieß es: „Bitte zur Siegerehrung. Dort gibt es auch die Urkunde.“ Es gab noch die Altersklassengoldmedaille und ein Geschenk mit Bombastus-Tees und Lutschbonbons. Bombastisch.

Mein erstes Treppchen. Was für ein Mutti-Tag.

14. Etappe: Weil der Name Programm ist

In einer Welt, wo Himml für Bestattungen zuständig ist Unternehmen in Bayreuth

und Säuberlich die Badinstallation übernimmt, säuberlich

müsste der Weg nach Seeligstadt eben sein.

seeligstadt

Eben nicht. Seeligstadt.

Freudendorf hätte auch gereicht, fürs erste jedenfalls. Jeder fällt.

Früher oder später über das, was er auf dem Weg nach Seeligstadt entsorgt hat. Nicht alles, worüber wir stolpern, sind Findlinge. Viel öfter sind es Hingelegte.

Seeligstadt, so wie man es spricht, wie Glückstadt. Glückstadt kommt aus dem Dänischen von Lykstad. Und Dänen lügen nicht.

 

 

12. Etappe: Trainerwechsel, Ortswechsel, Jobwechsel, Partnerwechsel

Die verflixten sieben Jahre. Kloppo geht wo auch immer hin. Seine Zeit bei Dortmund ist abgelaufen. Er gehört zu denjenigen, die sehr lange bei einem Verein waren. Andere Mannschaften haben diesbezüglich viel sportlichere Wechsel-Frequenzen. Besonders im Männer-Fußball scheint das üblich zu sein. Wenn’s nicht läuft, Trainerwechsel. Zu gerne würde ich mal hinter den Kulissen lauschen. Insiderwissen fehlt mir völlig. Entweder ist das nur und ausschließlich im Männer-Fußball so oder wir erfahren einfach nur aus diesem Sportbereich diese Fakten, weil es um viel Geld geht, weil die Ligen in allen Medien allgegenwärtig sind, vielleicht.

 

Der Gedanke des systematischen Aufbaus scheint hier unmodern. Alles muss klappen, von der ersten Minute an.
Nach dem Trainerwechsel wird von einer gewissen Dynamik gesprochen, die die kommenden drei Spiele begleiten soll. Das kann helfen, aus der Kellerregion aufzusteigen oder in die Spitzengruppe vorzudringen oder eben nicht. Alles darf, nichts ist gesetzlich garantiert. Es gibt Dynamiken. Die sind bekannt. Die werden akzeptiert. Auf die setzt man auch.
Beim Ortswechsel ist das nicht so. Jobwechsel streben manche Menschen direkt an. Spätestens aller fünf Jahre soll sich etwas ändern. Gern nach oben, wo immer das auch ist. Die Karriereleiter rauf. Gastronomen werden noch intensiver angefeuert, schneller zu wechseln. Was wiederum den angenehmen Nebeneffekt der schnellen, unkomplizierten Wechsel hat. Es wird nicht lange diskutiert. Anfangen und gut. Alles andere entwickelt sich. Viele Stationen im Lebenslauf sind völlig in Ordnung.
Bei einem Uhrmacher oder Schuster kann ich mir das nicht vorstellen. Wahrscheinlich wird es 30jährige Firmenjubiläen auch nur noch in Geschichtsbüchern geben. Wechsel sind normal. Wechsel bringen nach vorne, Erfahrungen sammeln, Horizont erweitern.
Wenn Kinder mit ihren Eltern nicht zufrieden sind, können sie nicht wechseln und umgekehrt. Wenn nach einer gewissen Zeit der Partner gewechselt wird, gibt’s in alle Himmelsrichtungen schlechte Presse. Warum sind die einen Wechsel gut und die anderen desaströs, unmoralisch und verpönt? Warum ist wiederum der Perspektivwechsel in den Kreativtechniken ein probates Mittel, besser zu werden, Kunden adäquat anzusprechen, Produkte zu veredeln und einzigartig zu machen?

 

Der Wechsel, das rätselhafte Wesen. Er ist männlich. Ist das für diese Betrachtung relevant?

11. Etappe: Ich bin in der elften Woche

Ich bin in der elften Woche. Ohne Job. Wie bei Schwangerschaften ist die Zeit des akuten, permanenten Übergebens jetzt vorbei. Schlecht wird mir aber immer noch. Jedoch mach ich mir nichts mehr draus, zu Seniorenzeiten im Fitty zu trainieren. Ich geb zu, anfangs hatte ich mit dem Gedanken gespielt, wie immer, 7.00 Uhr vor der Tür zu stehen. Dann denken alle, die geht noch zum Dienst. Geht sie aber nicht. Und niemanden interessiert das. Wenn ich es nicht erzähle, gefragt wird nicht.

In der elften Woche habe ich mich schon neunmal in die unterschiedlichsten Unternehmen hineingedacht, mich mit Produkten und Lösungen auseinandergesetzt und identifiziert. Philosophien gelesen und verstanden, neue Schuhe und Shirts für Gespräche gekauft. Drei Anzeigen, sechs Initiativbewerbungen. Initiative zu ergreifen, bekommt mir besser. Anzeigen werden auch geschrieben, wenn es sein muss und intern eigentlich schon alles klar ist, was alle wissen, aber keiner wissen darf.

Hinter den Kulissen passiert so einiges.

Ohne Job zu sein, verlangt viel Energie. Es gibt keine Routinen mehr. Es braucht neue Tagesabläufe, mehr Optimismus als sonst, jeden Tag neue, zielführende Ideen, realisierbare Pläne, die nichts kosten.

Jetzt weiß ich noch genauer, warum ich mir jedes Wort genau überlegt habe bei den Texten für itsax.de. Gründeridee vor mehr als fünf Jahren war der Umgang und das „wie weiter“ mit abgelehnten Bewerbern der IT-Branche. Oft sind die Anforderungen so sehr speziell, dass auch die besten Bewerber von einem Unternehmen nicht genommen werden können. Wenn sie jedoch so gut sind, dass man sie jederzeit empfehlen kann, werden sie mit einem Empfehlungscode einem Pool an Unternehmen präsentiert. Diese wiederum können so schneller ihre Fachkräfte finden.
Schöne Idee und vor allem am Selbstbewusstsein des Bewerbers orientiert. Es geht um Menschen, um Talente, um Chancen und Zukunft.
Im wirklichen Leben einer ganz anderen Branche geht das Ablehnen von Kandidaten so: „…Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir Ihre Bewerbung auf Grund der Vielzahl der eingegangenen Bewerbungen nicht berücksichtigen können. …“
Dann lieber gar keine Post.
Es geht immer um Menschen, um Talente, um Chancen und Zukunft.

10. Etappe: Ich schenke mir einen Marathon

Ehrenpokal für die Väter des Citylaufes
Die Väter des Citylaufes erhalten einen Ehrenpokal

Ü30 häuft sich der Gedanke: „Ich schenke mir einen Marathon“. Es ist unübertroffen die beste Idee, sich Respekt zu erweisen, selbigen einzufordern, eine Rechnung zu begleichen, und sei es die mit dem Schweinehund und es ist ein sehr guter Weg, dem Leben Danke zu sagen.

Jeder hat dann so seinen Termin und seinen Plan. Hat man sich einen Lauf am Wohnort ausgesucht, ist es ratsam, Etappen der Strecke schon mal zu laufen. Beim OEM von Königstein nach Dresden z.B. sind die ersten zehn Kilometer bis Wehlen recht hügelig. Diese Hügel sollte man schon mal gespürt haben, um nicht zu erschrecken. Danach bleibts flach und wird nur noch lang und länger. So ein Stückchen an der Elbe entlang zu laufen, ist auch nicht verkehrt. Der Gegenwind ist immer da und dann hat man sich auch darauf vorbereitet. Ist das Blaue Wunder passiert, beißt man am besten die Strecke in ganz kleine Häppchen, um nicht sein eigenes blaues Wunder zu erleben. Jeder angerissene Kilometer zählt. Nur noch acht, sieben, sechs, fünf, … . Fünf Kilometer sind doch ein Klacks. Da ist man ja noch nicht mal richtig warm. Für so ein paar Minuten lohnt sich ja das Umziehen nicht. Dann kommen die letzten zwei Kilometer. Fertigmachen für die Fotopose. Die B-Note muss stimmen. Und dann die letzten Meter genießen. Am liebsten in Zeitlupe. Sie sind so schnell vorbei. Alles ist super. Du hast das Lächeln ins Gesicht getackert. Von Ohr zu Ohr grinst es sich ins Stadion, links und rechts bei den Zuschauern bedanken und eine weiche Stadionrunde genießen.

Zeit, Medaille, Verbeugen, Fertig. Neuer Plan.

Beim OEM könnte es zwischenzeitlich für mancheinen Geschmack zu viel Landschaft und zu wenig Mugge sein. Um so wirkungsvoller ist die Stimmung an den Verpflegungsstationen. Ich liebe Live-Musik an der Strecke. Zur Not tuts auch ein lautes Radio. Selbst verkabelt möchte ich allerdings  nicht sein. Stöpsel im Ohr geht gar nicht. Zu viel Gegend allerdings auch nicht.

Anna und Lisa Hahner haben für ihre Läufe Playlisten im Kopf. Nur im Kopf und nicht als Knopf im Ohr. Damit teilen sie sich die Strecke ein. Das haben sie in der Schauburg während ihres Motivationsvortrages verraten. Doch als eine von beiden im gut besuchten Sergio Leone Saal meinte, „so ein Marathon dauert zweieinhalb Stunden“, wurde es erst still und dann kam ein tiefes hohoho aus allen Reihen….“oder eben länger“, hieß es dann. „Ihr bringt mich ja total raus….“

liegestütz playlist rad

Lange Läufe im Training bereiten Dich auf Deinen Marathon vor. Lang meint 30 Kilometer. Vergiss auch nicht, Deinen Rumpf im Ganzen zu trainieren. Liegestütze machen Spaß, wenns eine nussige Belohnung gibt, so wie bei den HahnerTwins. Sie essen viele Nüsse. Je härter die Schale, umso gesünder der Kern.

Aufstehen, 40 Liegestütze, Zähneputzen, Duschen und kalt Duschen. Das passt in jeden Tag hinein. Und Dein Körper dankt es Dir mit Durchhalten und gesund bleiben.

Wenn es möglich ist, so wie oben erwähnt, schon mal ein Stück der Strecke zu laufen, wirst Du Dich beim Marathon daran erinnern, dass Du an diesem Kilometer noch ganz frisch warst. Und schon fällt es leichter. Verars… kann ich mich alleine. Ja, gerne. Solche kleinen Tricks setzten Erinnerungspunkte, die Dir dann auf der langen Strecke extra-Energie schenken. Lenk Dich ab unterwegs. Spiel irgend etwas. Jeder Gullideckel verleiht Schwung, jeder Pflasterstein nimmt Krämpfe weg. Fantasie ist gefragt, die lockere Beine verschafft.

In vier Wochen gehts los beim OEM. Der Löwenanteil des Trainings ist geschafft. Jetzt kommt der Spaß. Mit jeder Woche mehr und wenn der Startschuss fällt, schluckste den Kloß im Hals runter und auf gehts.

 

9. Etappe: Wie auf der Alm

Genau. Ein Gebimmel, wie auf der Alm. Und in diesem Fall ist es richtig, von glücklichen Kühen zu sprechen. Ob Männlein oder Weiblein, wer seine Schneeglöckchenmedaille um den Hals gehängt bekam, grinste und bimmelte.

rosa und hellblaue Glocken grüne Glockengroße Glocken  gelb

Das Wetter hielt sich besser als prognostiziert. Es war kalt, aber freundlich. Am Start die obligatorischen Frotzeleien zwischen Brandenburgern und Sachsen. Doch das liegt ja nahe, weil die Ländergrenze durch das Örtchen Ortrand führt und diese Witze Tradition haben.

Für mich gabs die überraschende Vorfreude auf den Einlauf. Frankfurt lässt grüßen. Das Ziel liegt zwar nicht in der Messehalle, jedoch in der Pulsnitzhalle. Wimpelkette, Teppich und Endspurt auf die Zeitanzeige.

Wenn die 10er, 15er und 30er gemeinsam starten, wirds lebendig im stillen Örtchen. Wenn einer nach dem anderen in seine Strecke abbiegt, kommt schneeglöckchenlaufSchritt für Schritt die Trainings-Wahrheit ans Licht. Und es wird leise. Sehr leise. Zu leise. So viel Gegend und nur ein Spielmannszug. Der ist jedoch strategisch günstig in der Schleife postiert. Hier kommen wir zweimal vorbei. Vier Kilometer vor dem Ziel, ich traue meinen Ohren kaum, fette Mugge am Verpflegungspunkt. Das gibt Schwung.

Und dann ist es auch gleich soweit. Eisenbahnbrücke, Stadionrunde, Teppich und Zeitanzeige. Wie, ist das meine, frage ich ungläubig die Ordner? Naja, wenn´s da steht? Sie hat meine Frage gar nicht verstanden. 02:50:29. 2014 wäre ich mit 2:53 auf den zweiten Platz in der Altersklasse gekommen. W50. Der alte W50. Die alten W50 machen künftig heftig Dampf. Mit dieser Zeit wurde ich siebente in der Altersklasse und hab noch im Traum gegrinst und gebimmelt.

Alle Ergebnisse auf der Seite des Veranstalters


Mehr Fotos bei der Laufszene Sachsen.

Ideen für den nächsten Lauf

1. Wie wäre es, wenn Schneeglöckchen einen Teil des Weges säumten? In Köln gibt es eine extra Schneeglöckchenmesse mit sehr interessanten Sorten. Ob sich denn dort nicht ein Gärtner findet, der mit seinen Pflanzen die Veranstaltung unterstützen möchte, weil ihm der Laufsport auch am Herzen liegt?

2. Andere Gärtner könnten Schneeglöcken verkaufen.

3. Schneeglöckeneis. Kokos, Pistazie könnte eine gute Farbmischung ergeben.

4. Schneeglöckchengebäck. Liebe Bäcker, auf gehts. Das ist doch eine prima Praktikantenaufgabe. Zur nächsten Azubiprüfung treten die Besten gegeneinander an. Das nützt dem Handwerk und den Zuschauern.

5. Für die Läufer wäre es super, wenn es mehr Musik an der Strecke gäbe. Dafür genügt es, die Initiative des Verpflegungsstandes bei KM 26 aufzunehmen. Radio+Verstärker=gute Stimmung und Motivationsschub. Eine solche Installation bei jedem Ordner aufgestellt, bringt 1000 Prozent mehr Schwung. Auch das könnte ein Radioladen ohne großen Aufwand unterstützen.

6. SchneeglöckenPizza: Mozzarella, Lauch, Schmand, Zucchini als Belag, Kräuterstreuseltopping

8. Etappe: Der frühe Läufer fängt das Shirt

Federprothesen von David, Achim Achilles Waden
Sportlerwaden von David und Achim

Der Wecker meldet sich 5.30 Uhr. Die Vögel zwitschern bei 4 Grad. Die Laune könnte nicht besser sein. Heute Trainingslauf mit Profisportler David Behre. David und Achim hatten am Abend zuvor in der Schauburg versprochen, sie laufen kurz. Top. Die Wette gilt.

David, Achim und weitere Läufer stehen im Halbkreis vor dem Hotel
Edelgard Palfi, rechts, holt regelmäßig Altersklassenmedaillien. Ob am Borsberg oder im Tharanter Wald, auf Crossstrecken läuft sie zu Höchstform auf. Und Marathonmedaillien hat sie auch. Respekt.
Laufszene Andre
André von der Laufszene Sachsen fragt sich, wer verrückt genug ist, morgens hier zu stehen

Wette gehalten und rund 18 Morgenläufer wollten sich davon überzeugen und auch ein Ründchen drehen. Doch nicht ohne vorweg die beliebten Fanfotos  zu machen. Wenns mal nicht so läuft, hilft ein Blick in die Bildersammlung, um die Motivation wieder zu finden. Alle wissen das und deshalb ziert sich keiner. Wat mut, dat mut.

fanfoto fan

Dann gings auch schon los. Zweimal an den Kameras vorbei und auf dem Elberadweg Richtung Rosengarten. An der Fähre retour, kleine Gymnastik und schwupps, waren 5 Kilometer gelaufen. Unterwegs rege Debatten über Stinkefinger, Laufstrecken, Jobperspektiven, und Mixstarts von behinderten und nicht behinderten Läufern. In Belgien, sagt David, wäre das kein Problem. Beim Laufen ist es aus seiner Sicht auch fair. Beim Springen wäre es schon nicht mehr so einfach zu beurteilen. Seine Vorfußfedersprinterbeine klicken rhythmisch. Auch Achim hat heute morgen einen betont federnden Laufstil. Daran werd ich mich erinnern, wenn die Beine mal wieder schwer werden und die Füße schlurfen wollen. Nix da. Klick. Klick. Klick. Und weiter gehts.

Tino Meyer hat auch einen Artikel in der Sächsischen Zeitung platzieren können. Es ist Festwoche in der Laufszene. Der Run auf die Startplätze wird anhalten. Dafür muss man kein Prophet sein. Inzwischen gibts ja auch schon keinen Film mehr, wo nicht irgendwann und egal bei welchem Wetter, der Joggerstatist bemüht wird. szbild

Foto der Laufgruppe von vorn in der Sächsische Zeitung
Foto in der Sächsischen Zeitung vom 20.März 2015
Autogramme auf rote T-Shirts schreiben
Autogramme stärken die Motivation

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach der Gymnastik gabs die versprochenen Shirts und mit den Autogrammen der beiden auf Brust oder Rücken haben wir jetzt immer eine Stärkung dabei.

Autogramme von Achim Achilles und David Behre
Autogramme von Achim Achilles und David Behre

7. Etappe: Lauf ABC einmal anders

Sprint zurück ins Leben
Sprint zurück ins Leben, David Behre

Achilles interviewt Behre über Chancen

„Sprint zurück ins Leben“ heißt das Buch, in welchem David Behre die Geschichte seiner drei Leben erzählt. Leben1 stellt den motocrossverrückten Jungen vor, Leben2 kämpft mit dem verunfallten David im Krankenhaus, Leben3 strahlt vom Siegertreppchen in die Welt der Leistungssportler.
Klingt ungewöhnlich, ist noch ungewöhnlicher. Schauburg Dresden, 18.März, kurz vor 20 Uhr. Der Werbeblock kommt noch. Es beginnt mit

Erfolgsgemurmel
Der Saal füllt sich und erfüllt die Atmosphäre mit Laufgeschichten. Hab euch vermisst auf dem Weg nach Salzburg? Wie war denn New York? Viele kennen sich vom Startgebibber, vom bleifreien Zielbier, von unterwegs. Personaltrainer, Laufurgesteine, sie sind alle da. Hast Du Deinen Trainer noch? Was hast Du so vor? Seid ihr noch dabei? Also jeden zweiten Tag sind wir am Ball. Ich schicke von überall her Karten. Läuferfreundschaften sind Freundschaften fürs Leben.

Zuschauer lesen im Dresdner Laufbuch
Dresden läuft, Tino Meyer

Auf die Plätze
Ganz voll ist der Saal nicht. Achim: “Ihr könnt gerne runter kommen und in den ersten zwei Reihen den Schweiß von Spitzensportlern richtig spüren. Besonders alleinstehende Damen unter 40.“
Achim, das war ´ne Gelbe. Auch wenn wir an diesem Abend alle die Champions League schwänzen. Er macht es wieder gut mit dem regionalen Werbeblock für das Buch „Dresden läuft“ von Tino Meyer.

Trotz oder wegen Achims Vorwort, die Laufszene in Dresden wächst. Wir haben auch Olympia verdient, meint Tino, den Flughafen hätten wir ja schon. Dass wir in Klotzsche ein ganz anderes Problem zum Abheben haben, gehört allerdings heute nicht aufs Podium. Die zwei Marathons in Dresden hingegen schon. Landschaftsmarathon vs. Stadtmarathon. Nachdem am 09.November 1998 beide Veranstaltungen liefen und sich die Wege der Läufer auch kreuzten, entschied man sich später, den Oberelbemarathon im Frühjahr und den Citymarathon im Herbst zu machen. Es gibt zwar noch kein Bundlearrangement für den Doppelstart, aber möglich wäre es für gut Trainierte, zwei Marathons vor der Haustür zu laufen. Mut braucht man immer, sowohl für lange Wege an der Elbe entlang, mit begeistertem Gänsegeschnatter und Dampferhupen statt Livebands und Motivationsschilder als auch für die nervtötende zweite Runde beim Stadtmarathon. Auf jeden Fall ist Laufen nach Achims Empfehlung das Ding für Singles. Entweder Laufen oder glückliche Partnerschaft. Und schon sind wir wieder auf der Bühne bei Achim und David, der alle Sauigeleien des Kolumnisten pariert.
Erst Fahren, dann Lesen
Leben1: Der crossverrückte Junge
Noch bevor David die Tipps und Tricks für Crossanfänger lesen konnte, machte er keine Anfängerfehler mehr. Mit fünf Jahren hatte er seine erste Maschine. Vati schraubte, Mutti kochte. Die Bilderbuchfamilie trieb es jedes Wochenende in den Matsch. Mit Wohnwagen und Bikes konnte es nicht krass genug zugehen. Heute weiß David, dass er in diesem Sport allerdings kein Geld hätte verdienen können. Davids Stimme klingt anders als im Werbeblock, wenn er über seine Familie spricht. Die mögen sich wirklich. Seine Eltern wohnen noch immer in der Bergbausiedlung, weil der Opa auf dem Pütt Elektriker war. Bürgerlich gings schon zu, aber nicht klischeehaft, wie Achim provoziert. Von wegen, Waldorfkinder sind ewig am Tanzen, essen ausschließlich vegan und fahren maximal Fahrrad. David versteht auch IT-Sprech und mit 19 Jahren hat er nach dem Abitur Migranten EDV-Kurse gegeben. Fachinformatiker wollte er werden, doch dann kam der Unfall.
Leben2 kämpft mit dem verunfallten David im Krankenhaus
David hat noch etwa 400 Meter bis nach Hause. Es ist sehr früh. Sie hatten die Rückkehr eines Freundes gefeiert. Die Schranken waren offen. Der Zug kommt trotzdem und nimmt ihn mit. Der Knall ist David wohl noch sehr gegenwärtig. Drei Stunden fehlen, sagt er. Auf seine anschließenden Hilferufe hat wohl nur eine Frau reagiert. Es gibt einen Film beim WDR in der Sendereihe Quarks &Co, der den Hergang erklärt. David kann darüber reden, will darüber reden. Inzwischen ist er Unfallbotschafter und motiviert gerade junge Menschen, an sich zu glauben. Jährlich werden in Deutschland 60.000 Menschen amputiert. Nicht immer ist es so dramatisch, wie bei David. Er sagt, er hätte tot sein müssen. Die Dankbarkeit, dass es anders kam, formuliert er ins Helfen, in seine Flapsigkeiten, keine Haxen mehr zu haben, keine stinkenden Socken, keine juckenden Zehen, keine Schienbeinprellung. „Der Unfall ist das Beste, was mir passiert ist“ provoziert als Aussage und will bewiesen werden.beine
Womit wir zum überregionalen Werbeblock kommen. David hat mit der Ergo einen Versicherungspartner. Er sagt es laut und öffentlich, dass es ohne die finanzielle Absicherung durch die Unfallversicherung nicht möglich gewesen wäre, Rekorde zu laufen. Achim konzentriert unser aller Erfahrungen in der Bemerkung, „ja, versichert sind Sie, aber nicht, wenn es an einem Donnerstag passiert und schon gar nicht mit dem Blick…“ der Saal schmunzelt und runzelt gleichzeitig die Stirn. Viel zu oft wird Partnerschaft anders interpretiert. Es ist das Glück im Unglück, das David ein drittes Leben schenkt.
Leben3 strahlt vom Siegertreppchen in die Welt der Leistungssportler.
Vom Krankenbett aus, noch vollgepumpt mit Würzburger Mischung, sieht David 2008 Paralympics-Star Oscar Pistorius im Fernsehen. „Das will ich auch.“ Die Wirkungen des Schmerzmittelcocktails haben irgendwann nachgelassen, Davids Ambitionen nicht. Seine Physiotherapeutin machte ihm Dampf, den Psychologen hat er weggeschickt. Das erste Mal in Prothesen stehen, war die Hölle, das erste Staffelgold gewinnen, schenkt Jahre später noch uns Zuhörern Gänsehaut. Sind sechs Wochen eine lange oder kurze Frist? Was haben wir alle in einer solchen Zeit schon einmal erreicht?
Für David sind von den ersten fünf Gehminuten in Prothesen mit Rollstuhlambitionen für den Rest des Lebens sechs Wochen vergangen, um ohne Komplikationen Gehen zu können. Es entsteht ein ganz neues Gangbild. Jedoch muss er für jeden seiner Schritte die doppelte Kraft aufwenden im Vergleich zu einem Schritt mit zwei gesunden Beinen. Der Schaft der Prothese ist aus Hartplastik. Bei Bedarf wird sie in Form geföhnt, um optimal an den Stumpf zu passen. Achim war richtig enttäuscht, weil es so etwas nicht für den Sixpack gibt.
Nach drei Jahren haben sich Prothese und Bein angefreundet. Zumindest war das bei David so. Dann kamen die Rennfedern. Für ein Bein kostet eine solche Anfertigung komplett 15.000 Euro. Die Feder allein kostet 5.000 Euro und sechs bis acht braucht David pro Jahr. Zwei Firmen weltweit gibt es wohl dafür, eine in Island, eine in Deutschland. Mehrfach erwähnt David, wie komfortabel seine Situation ist, wirklich nur trainieren zu dürfen. Zweimal täglich schwingt er sich auf seine Vorfußfederfüße. Eine Trainingseinheit zum Nachmachen wäre zum Beispiel je sechsmal 100, 150 und 200 Meter Sprints mit einer durchschnittlichen Leistungsintensität von 60 bis 80 Prozent. Bei David sind das dann 26-28 Sekunden für die 200 Meter. Noch Fragen? ergebnisse
Bis zur Olympiade in Rio sind es nur noch 17 Monate. David will Paralympics Gold auf der Stadionrunde. Die 400 Meter Distanz soll es sein, ausgerechnet…. Einfach geil.