8. Etappe: Der frühe Läufer fängt das Shirt

Federprothesen von David, Achim Achilles Waden
Sportlerwaden von David und Achim

Der Wecker meldet sich 5.30 Uhr. Die Vögel zwitschern bei 4 Grad. Die Laune könnte nicht besser sein. Heute Trainingslauf mit Profisportler David Behre. David und Achim hatten am Abend zuvor in der Schauburg versprochen, sie laufen kurz. Top. Die Wette gilt.

David, Achim und weitere Läufer stehen im Halbkreis vor dem Hotel
Edelgard Palfi, rechts, holt regelmäßig Altersklassenmedaillien. Ob am Borsberg oder im Tharanter Wald, auf Crossstrecken läuft sie zu Höchstform auf. Und Marathonmedaillien hat sie auch. Respekt.
Laufszene Andre
André von der Laufszene Sachsen fragt sich, wer verrückt genug ist, morgens hier zu stehen

Wette gehalten und rund 18 Morgenläufer wollten sich davon überzeugen und auch ein Ründchen drehen. Doch nicht ohne vorweg die beliebten Fanfotos  zu machen. Wenns mal nicht so läuft, hilft ein Blick in die Bildersammlung, um die Motivation wieder zu finden. Alle wissen das und deshalb ziert sich keiner. Wat mut, dat mut.

fanfoto fan

Dann gings auch schon los. Zweimal an den Kameras vorbei und auf dem Elberadweg Richtung Rosengarten. An der Fähre retour, kleine Gymnastik und schwupps, waren 5 Kilometer gelaufen. Unterwegs rege Debatten über Stinkefinger, Laufstrecken, Jobperspektiven, und Mixstarts von behinderten und nicht behinderten Läufern. In Belgien, sagt David, wäre das kein Problem. Beim Laufen ist es aus seiner Sicht auch fair. Beim Springen wäre es schon nicht mehr so einfach zu beurteilen. Seine Vorfußfedersprinterbeine klicken rhythmisch. Auch Achim hat heute morgen einen betont federnden Laufstil. Daran werd ich mich erinnern, wenn die Beine mal wieder schwer werden und die Füße schlurfen wollen. Nix da. Klick. Klick. Klick. Und weiter gehts.

Tino Meyer hat auch einen Artikel in der Sächsischen Zeitung platzieren können. Es ist Festwoche in der Laufszene. Der Run auf die Startplätze wird anhalten. Dafür muss man kein Prophet sein. Inzwischen gibts ja auch schon keinen Film mehr, wo nicht irgendwann und egal bei welchem Wetter, der Joggerstatist bemüht wird. szbild

Foto der Laufgruppe von vorn in der Sächsische Zeitung
Foto in der Sächsischen Zeitung vom 20.März 2015
Autogramme auf rote T-Shirts schreiben
Autogramme stärken die Motivation

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach der Gymnastik gabs die versprochenen Shirts und mit den Autogrammen der beiden auf Brust oder Rücken haben wir jetzt immer eine Stärkung dabei.

Autogramme von Achim Achilles und David Behre
Autogramme von Achim Achilles und David Behre

7. Etappe: Lauf ABC einmal anders

Sprint zurück ins Leben
Sprint zurück ins Leben, David Behre

Achilles interviewt Behre über Chancen

„Sprint zurück ins Leben“ heißt das Buch, in welchem David Behre die Geschichte seiner drei Leben erzählt. Leben1 stellt den motocrossverrückten Jungen vor, Leben2 kämpft mit dem verunfallten David im Krankenhaus, Leben3 strahlt vom Siegertreppchen in die Welt der Leistungssportler.
Klingt ungewöhnlich, ist noch ungewöhnlicher. Schauburg Dresden, 18.März, kurz vor 20 Uhr. Der Werbeblock kommt noch. Es beginnt mit

Erfolgsgemurmel
Der Saal füllt sich und erfüllt die Atmosphäre mit Laufgeschichten. Hab euch vermisst auf dem Weg nach Salzburg? Wie war denn New York? Viele kennen sich vom Startgebibber, vom bleifreien Zielbier, von unterwegs. Personaltrainer, Laufurgesteine, sie sind alle da. Hast Du Deinen Trainer noch? Was hast Du so vor? Seid ihr noch dabei? Also jeden zweiten Tag sind wir am Ball. Ich schicke von überall her Karten. Läuferfreundschaften sind Freundschaften fürs Leben.

Zuschauer lesen im Dresdner Laufbuch
Dresden läuft, Tino Meyer

Auf die Plätze
Ganz voll ist der Saal nicht. Achim: “Ihr könnt gerne runter kommen und in den ersten zwei Reihen den Schweiß von Spitzensportlern richtig spüren. Besonders alleinstehende Damen unter 40.“
Achim, das war ´ne Gelbe. Auch wenn wir an diesem Abend alle die Champions League schwänzen. Er macht es wieder gut mit dem regionalen Werbeblock für das Buch „Dresden läuft“ von Tino Meyer.

Trotz oder wegen Achims Vorwort, die Laufszene in Dresden wächst. Wir haben auch Olympia verdient, meint Tino, den Flughafen hätten wir ja schon. Dass wir in Klotzsche ein ganz anderes Problem zum Abheben haben, gehört allerdings heute nicht aufs Podium. Die zwei Marathons in Dresden hingegen schon. Landschaftsmarathon vs. Stadtmarathon. Nachdem am 09.November 1998 beide Veranstaltungen liefen und sich die Wege der Läufer auch kreuzten, entschied man sich später, den Oberelbemarathon im Frühjahr und den Citymarathon im Herbst zu machen. Es gibt zwar noch kein Bundlearrangement für den Doppelstart, aber möglich wäre es für gut Trainierte, zwei Marathons vor der Haustür zu laufen. Mut braucht man immer, sowohl für lange Wege an der Elbe entlang, mit begeistertem Gänsegeschnatter und Dampferhupen statt Livebands und Motivationsschilder als auch für die nervtötende zweite Runde beim Stadtmarathon. Auf jeden Fall ist Laufen nach Achims Empfehlung das Ding für Singles. Entweder Laufen oder glückliche Partnerschaft. Und schon sind wir wieder auf der Bühne bei Achim und David, der alle Sauigeleien des Kolumnisten pariert.
Erst Fahren, dann Lesen
Leben1: Der crossverrückte Junge
Noch bevor David die Tipps und Tricks für Crossanfänger lesen konnte, machte er keine Anfängerfehler mehr. Mit fünf Jahren hatte er seine erste Maschine. Vati schraubte, Mutti kochte. Die Bilderbuchfamilie trieb es jedes Wochenende in den Matsch. Mit Wohnwagen und Bikes konnte es nicht krass genug zugehen. Heute weiß David, dass er in diesem Sport allerdings kein Geld hätte verdienen können. Davids Stimme klingt anders als im Werbeblock, wenn er über seine Familie spricht. Die mögen sich wirklich. Seine Eltern wohnen noch immer in der Bergbausiedlung, weil der Opa auf dem Pütt Elektriker war. Bürgerlich gings schon zu, aber nicht klischeehaft, wie Achim provoziert. Von wegen, Waldorfkinder sind ewig am Tanzen, essen ausschließlich vegan und fahren maximal Fahrrad. David versteht auch IT-Sprech und mit 19 Jahren hat er nach dem Abitur Migranten EDV-Kurse gegeben. Fachinformatiker wollte er werden, doch dann kam der Unfall.
Leben2 kämpft mit dem verunfallten David im Krankenhaus
David hat noch etwa 400 Meter bis nach Hause. Es ist sehr früh. Sie hatten die Rückkehr eines Freundes gefeiert. Die Schranken waren offen. Der Zug kommt trotzdem und nimmt ihn mit. Der Knall ist David wohl noch sehr gegenwärtig. Drei Stunden fehlen, sagt er. Auf seine anschließenden Hilferufe hat wohl nur eine Frau reagiert. Es gibt einen Film beim WDR in der Sendereihe Quarks &Co, der den Hergang erklärt. David kann darüber reden, will darüber reden. Inzwischen ist er Unfallbotschafter und motiviert gerade junge Menschen, an sich zu glauben. Jährlich werden in Deutschland 60.000 Menschen amputiert. Nicht immer ist es so dramatisch, wie bei David. Er sagt, er hätte tot sein müssen. Die Dankbarkeit, dass es anders kam, formuliert er ins Helfen, in seine Flapsigkeiten, keine Haxen mehr zu haben, keine stinkenden Socken, keine juckenden Zehen, keine Schienbeinprellung. „Der Unfall ist das Beste, was mir passiert ist“ provoziert als Aussage und will bewiesen werden.beine
Womit wir zum überregionalen Werbeblock kommen. David hat mit der Ergo einen Versicherungspartner. Er sagt es laut und öffentlich, dass es ohne die finanzielle Absicherung durch die Unfallversicherung nicht möglich gewesen wäre, Rekorde zu laufen. Achim konzentriert unser aller Erfahrungen in der Bemerkung, „ja, versichert sind Sie, aber nicht, wenn es an einem Donnerstag passiert und schon gar nicht mit dem Blick…“ der Saal schmunzelt und runzelt gleichzeitig die Stirn. Viel zu oft wird Partnerschaft anders interpretiert. Es ist das Glück im Unglück, das David ein drittes Leben schenkt.
Leben3 strahlt vom Siegertreppchen in die Welt der Leistungssportler.
Vom Krankenbett aus, noch vollgepumpt mit Würzburger Mischung, sieht David 2008 Paralympics-Star Oscar Pistorius im Fernsehen. „Das will ich auch.“ Die Wirkungen des Schmerzmittelcocktails haben irgendwann nachgelassen, Davids Ambitionen nicht. Seine Physiotherapeutin machte ihm Dampf, den Psychologen hat er weggeschickt. Das erste Mal in Prothesen stehen, war die Hölle, das erste Staffelgold gewinnen, schenkt Jahre später noch uns Zuhörern Gänsehaut. Sind sechs Wochen eine lange oder kurze Frist? Was haben wir alle in einer solchen Zeit schon einmal erreicht?
Für David sind von den ersten fünf Gehminuten in Prothesen mit Rollstuhlambitionen für den Rest des Lebens sechs Wochen vergangen, um ohne Komplikationen Gehen zu können. Es entsteht ein ganz neues Gangbild. Jedoch muss er für jeden seiner Schritte die doppelte Kraft aufwenden im Vergleich zu einem Schritt mit zwei gesunden Beinen. Der Schaft der Prothese ist aus Hartplastik. Bei Bedarf wird sie in Form geföhnt, um optimal an den Stumpf zu passen. Achim war richtig enttäuscht, weil es so etwas nicht für den Sixpack gibt.
Nach drei Jahren haben sich Prothese und Bein angefreundet. Zumindest war das bei David so. Dann kamen die Rennfedern. Für ein Bein kostet eine solche Anfertigung komplett 15.000 Euro. Die Feder allein kostet 5.000 Euro und sechs bis acht braucht David pro Jahr. Zwei Firmen weltweit gibt es wohl dafür, eine in Island, eine in Deutschland. Mehrfach erwähnt David, wie komfortabel seine Situation ist, wirklich nur trainieren zu dürfen. Zweimal täglich schwingt er sich auf seine Vorfußfederfüße. Eine Trainingseinheit zum Nachmachen wäre zum Beispiel je sechsmal 100, 150 und 200 Meter Sprints mit einer durchschnittlichen Leistungsintensität von 60 bis 80 Prozent. Bei David sind das dann 26-28 Sekunden für die 200 Meter. Noch Fragen? ergebnisse
Bis zur Olympiade in Rio sind es nur noch 17 Monate. David will Paralympics Gold auf der Stadionrunde. Die 400 Meter Distanz soll es sein, ausgerechnet…. Einfach geil.

5. Etappe: Ich bin neu hier

Das Wetter wurde als wunderprächtig angekündigt. Da gab es kein Halten mehr. Der erste Longjogg 2015 war fällig. Die Runde hat etwas mehr als 26 Kilometer. Sie führt über die Eisenbahnbrücke von Niederwartha nach Meissen, dort wieder über eine Brücke und zurück. Ich habe Lampenfieber. In zwei Wochen wird der Schneeglöckchenlauf in Ortrand stattfinden. Dafür soll es die Generalprobe sein. Ich möchte wissen, wie nützlich das Krafttraining vom Winter war und ein Gefühl dafür bekommen, wie hart das Glöckchen wohl erkämpft werden wird.

Laufbild Rosa Hauch im Soester Anzeiger
Letzer Laufschnappschuss für 2014 in Soest, Silvesterlauf

2015 wird das Jahr der kuriosen Medaillen. Schneeglöckchen, Spreewaldgurke und Himmelsscheibe sind schon gebucht. Es ist mein fünftes Jahr als Marathoni. Und beim ersten diesjährigen Longjogg auf einer mir sehr gut bekannten Strecke stelle ich mich mental an, als wäre ich neu hier. Das Herz klopft bis zum Hals. Mir fallen all die Läufe ein, die nicht so rund liefen. Auch der allererste an dieser Stelle. Bei Kilometer 23 etwa war ich überhaupt nicht mehr in der Lage, zu reagieren. Die Spaziergänger nahmen, gefühlt, den ganzen Weg ein. Ausweichen konnte ich einfach nicht mehr. Ich lief wie am Schnürchen gezogen und rief nur: „Vorsicht, es wird eng.“ So ein Quatsch bei 50 Kilo Läufergewicht versus mehr mehr mehr im Spaziermodus. Es ist nicht alles logisch, wenn physische Grenzen erreicht sind. Einmal bin ich auch den letzten Kilometer gegangen, weil gar nichts mehr ging.

Heute sollte es anders werden. In diesem Jahr soll überhaupt einiges anders werden. Zum Start in die neue Saison nehme ich also auch den bekannten Weg in entgegengesetzter Richtung in Angriff, gegen den Uhrzeigersinn.

Die fünf ersten Kilometer waren schon deshalb schön, weil sich der Rhythmus einstellt und das müde Gefühl der vergangenen Jahre an dieser Stelle nicht. Eine Handvoll Gleichgesinnter sind unterwegs, Frauen und Männer. Der Finger schnippst lässig zum Gruß hoch und weiter gehts.

Gut gehts. Bei Kilometer 16 gibts ein Gel und etwas zu Trinken, wie sonst bei den Wettkampfstopps. Wenn ich das rote Haus sehe, sind es noch drei Kilometer. Ich sehe das rote Haus und sehe ein Umleitungsschild für den Radweg. Saftige Flüche pflastern selbigen. Physische Anstrengungen fordern eigene Gesetze. Das ist also geblieben.

Am Ende war es keine Rekordzeit, jedoch eine akzeptable mit einem 6:27er Schnitt. Ohne Musik am Straßenrand, ohne Anfeuern, ohne ohne wird es wohl bei den Schneeglöckchen ganz gut laufen. Lang war die Strecke trotzdem. Doch die insgesamt 238 Höhenmeter blieben Hügelchen. Ich brauchte keinen Boxenstopp und am nächsten Morgen hatte ich auch keine steifen Storchenbeine. Wintertraining okay. Respekt okay. Es kann weiter anders Laufen.

1. Etappe: Wie ungesund ist das Laufen in der Stadt?

Der Ansturm im Fitness Center hat sich gelegt. Die alljährlichen guten Vorsätze verblassen. Doch schon kommt, auch wie jedes Jahr, der Boom, mit Achim Achilles um die Wette zu Joggen. Die Kolumnen haben einfach noch mehr pepp, wenn man mitreden und dann auch viel besser mitlachen kann. So weit so wiederholend. Also raus.

Himmel.jpg

Die Luft ist herrlich. Die Sonne gibt ihr Bestes. Es ist knackekalt, nur ganz knapp unter Null. Der Himmel blank geputzt und schon lange vor mir munter. Straßen und Wege sind trocken, nur der Raureif auf den Pflastersteinen mahnt zur Vorsicht. Achtsam bleiben, ist immer richtig. Und da es auch für Jogger keine eigenen Verkehrsregeln gibt, bremst die rote Ampel für Momente meinen Lauf. Bei fünf davorliegenden Lichtsignalen hatte ich grünes Glück für kleine Zwischensprints. Es ist also ein guter Tag. Der Mensch wird nicht an jeder Ecke mit Warnungen vor irgendetwas aufgehalten. „Das bringt Ihnen gar nichts“, holt mich eine tiefe Stimme aus dem Hochgefühl. „Wieso, ich will doch in die Hügel“, antworte ich völlig irritiert. Doch den Typen interessiert mein Trainingsplan nicht. „Das Joggen hier ist gänzlich ungesund.“ Mit einem kopfschüttelnden „Rumsitzen aber auch“ verabschiede ich mich auf meine Strecke und habe weitere sieben Kilometer Zeit, darüber nachzudenken, ob er recht hat und warum vielleicht. Vor 14 Jahren schrieb die menshealth

„Auch wenn die Schadstoffwerte auf der Laufrunde höher liegen: Ausdauertraining im niedrigen Intensitätsbereich hat immer einen positiven Effekt“, sagt Dr. Bernd Gimbel, fachlicher Leiter am Institut für Trainingsberatung in Reinheim. Tipp: An Straßen mit Bäumen beziehungsweise mit Grünstreifen ist der Kohlenmonoxid-Gehalt in der Luft laut verschiedenen Studien geringer.“

Sollte sich in den vergangenen Jahren so viel verändert haben? Ich laufe im Dresdner Süden, nicht in Paris oder Bangkok?

Vor vier Jahren warnte auch die Süddeutsche in einem Artikel über eine Studie zum Thema Joggen in der Stadt: „An der Studie beteiligten sich 20 Männer, die bereits einen Herzinfarkt erlitten hatten. Sie trainierten zweimal 15 Minuten lang auf einem Fahrradergometer. Dabei atmeten sie entweder gefilterte Luft ein oder Dieselabgase in einer Konzentration, die auch im Straßenverkehr vorkommt.

Da die Studie jedoch an Männern durchgeführt wurde, deren Herzen bereits geschwächt waren, lassen sich die Resultate nicht direkt auf die gesunde Bevölkerung übertragen. Dennoch empfiehlt ein Experte aus Boston in einem Kommentar, nicht neben viel befahrenen Straßen Sport zu treiben.“

Über den inflationären Gebrauch der Qualifikation „Experte“ will ich mich hier gar nicht näher auslassen. Doch in Boston wird die Situation wahrscheinlich doch etwas anders liegen als in Döltzschen.

Und dann finde ich einen Artikel, den besagter Typ wohl heute mindestens fünf Stunden vor mir gelesen haben muss. Weil wir doch grad bei Experten waren. Auf Experto wird heute Thomas Pfister zum Thema Joggen in der Stadt zitiert: „Den meisten ist gar nicht bewusst, dass sie sich dadurch einer sehr hohen Gesundheitsgefahr aussetzen.“

Und weiter heißt es: “Das Jogging in der Stadt kann sehr schädlich sein und zu ernsten Erkrankungen führen. Da wäre es besser, wenn Sie erst gar nicht laufen würden.“ Das hatte ich heute doch schon mal gehört.

Folgt man den Aussagen des Artikels, liegt gewaltig viel Ärger in der Luft.

„Im Ruhezustand atmen wir etwa 10% der Luft in der Lunge ein und aus. Bei starker Anstrengung wie beim Jogging steigt diese Menge auf bis zu 60%. In den Lungenbläschen verbleiben immer 20% der Luft, gleichgültig wie stark wir ausatmen.

In den Lungenbläschen gelangt der eingeatmete Sauerstoff in winzige Blutgefäße (Kapillaren) und wird in alle Körperteile transportiert. Ein Lungenbläschen misst etwa 0,2 Millimeter. Seine Wand ist eine Schicht aus einzelnen Zellen. Diese Schicht ist sehr dünn, so dass die Gase leicht zwischen dem Lungenbläschen und den Kapillaren ausgetauscht werden können. Ist der Körper – wie zum Beispiel beim Jogging – unter Anstrengung, wird mehr Luftvolumen in die Lungen eingeatmet. Die Lungenbläschen erweitern sich. Somit werden auch die Autoabgase und der Feinstaub vom Körper aufgenommen. Das Risiko einer ernsten Erkrankung steigt, je öfter man sich in schlechter Luft bewegt.“

Dann folgen allerdings zehn Binsenwahrheiten und schon habe ich gar keine Lust mehr auf die Forschungsergebnisse des Herrn Pfister. In seinem ersten Punkt, der auf die Dämpfung der Schuhe abhebt, ist alles und gar nichts gesagt. Schade. Flachland. Punkt 5 der Aufzählung mahnt: Achten Sie auf den Verkehr und auf die Verkehrsteilnehmer. Ja und, ergänze ich, lassen Sie den Läufern unterwegs ihren Spaß. Ich fauche ja auch nicht jeden Käsebrötchen-Esser an, er solle es lieber gegen eine Mango eintauschen.