26. Etappe: Der Terminmagnetismus

Die Wurzel zeigt, hier geht’s lang. Sie ist alt und liegt schon lange da. Sie schaut auch auf die Oberfläche. Kennt sich aus.

Doch wochenlang passiert nichts, rein gar nichts. Die Tage dümpeln so dahin. Der Akku vom Handy reicht ewig. Fast hättest Du vergessen, dass Du ein Telefon hast. Es ist sehr ruhig. Wenn Du alle Handgriffe in Zeitlupe erledigst, kommst Du mit so einem Tag ganz gut hin.

Es ist auch sehr langweilig. Es ist zu langweilig. Du beschließt, etwas zu unternehmen. Du findest auch eine Veranstaltung, die Dich interessiert.

Gut. Sehr gut. Wie klar der Eintrag in Deinem Kalender blinkert. Du wirst etwas vorhaben. Noch nicht morgen, aber bald. Bald ist es soweit. Du bist zufrieden.

Doch kaum hast Du diesen Moment begonnen, auszukosten, zu genießen, klingelt das Telefon. Das Telefon, welches in die Permaruhe abgetaucht war, muss läuten und kann sich gar nicht mehr zurückhalten. Da ist jemand dran, von dem Du  lange nichts mehr gehört hast. „Wollen wir uns treffen? Ich schlage den…“ Und was hörst Du, genau der Tag ist auserkoren, auf dem Dein neuer Termin blinkert. „Ja passt, aber nur bis… .“ Ihr verabredet euch. Fühlt sich gut an. So viel zu tun. Was ist das denn? Auch im Mailpostfach tut sich so einiges. Drei Anfragen, ob Du etwas übernehmen könntest.

Vorbei die Zeitlupenruhe. Nix mit Dümpeln und Langeweile. Beeilen musst Du Dich, um alles zu schaffen.

Das Phänomen wiederholt sich. Und wann immer Du Lust auf was Neues hast, nimmst Du Dir selbst etwas vor. Dabei ist es völlig gleichgültig, was es ist. Ein Arzttermin, eine Ausstellung, ein Kinobesuch, Shoppen. Schreib Dir Deinen persönlichen Termin in den Kalender und lass Dich überraschen, was passiert.

Der Terminmagnetismus beginnt augenblicklich zu wirken. Er sendet Signale. Er sendet auf einer Frequenz, die niemand kennt und doch alle verstehen. Er sendet ins Universum und bekommt Antwort. Ungefragt. Einfach so. Leute, die sich sympathisch finden, finden sich, Leute mit gleichen Auffassungen finden sich, Termine finden Termine und kreuzen sich. Das machen sie überhaupt am Liebsten. Sie lassen auf sich warten und kommen dann geballt und wollen Entscheidungen hören, wollen eingeordnet werden. Dann stellen sie sich auch fein an, einer nach dem anderen.

Diese Termine mit ihrem Magnetismus. Ihre Sende-Frequenz zu berechnen, wäre ein Thema für den Nobelpreis.

Wohin deutet die Wurzel dieser Dynamik und warum?

 

 

25. Etappe: Relativitätspraxis

Knoten_kleinZeit ist relativ.

Dialog 1

Frau A: Ja, das stört mich auch, diese ewigen Veränderungen.
Frau B: Jetzt hatten wir diesen Kurs neun Jahre lang so und schon muss man sich wieder an etwas anderes gewöhnen.
Frau A: Fürchterlich.

 

Dialog 2

Frau C: Lesen Sie die Zeitung schon lange? Also über ein Jahr?
Frau D: Grübelt noch, was lange ist.

 

 

20. Etappe: Die Zeit zwischen den Zielen

So. Nicht schlecht für die ersten sechs Monate. Knapp 100 Besuche im Fitnessstudio, zwei Marathons und einen 30er als Wettkampf. Die App zeigt mir insgesamt 1.341 zurückgelegte Kilometer an. Per pedes, Skater, Rudergerät und als Schwimmer. Und nun?

Pause, ja, nur nicht zu lang. Training auch ja, Doppel-ja. Doch wofür? Worauf? Wie genau? Manche Sportler berichten von einem Motivationsloch nach lange angestrebten Wettkämpfen.

Das teile ich nicht. Ich gehe gern trainieren. Allerdings macht es noch viel mehr Spaß, wenn es ein Ziel gibt.

Einen Vorteil hat die Zeit zwischen den Zielen: ich nehme die Kleinigkeiten am Wegesrand wieder wahr. Ich hab Zeit für Extras, extra Fotos, extra Liegestütze, extra Weggabelungserkundungsläufe und extra Geschichten.

Diese kleinen Fensterlädenhalter wären mir normalerweise nicht aufgefallen. Wer macht sich im 21.Jahrhundert noch so viel analoge Mühe?

blau grün

 

 

 

 

Oder das Grasbecken. Vorsicht beim Kopfsprung. Das Eintauchen in die Natur klappt besser. Ob mit dem Blick in des Himmelsblau oder durch die Wildnis der Grashalme, die Expedition bleibt spannend.

 

wieseSag mal, spinnst Du jetzt?

Ja, bald. Sehr bald. In der Zeit zwischen den Zielen wird gewaschen, getrocknet, gekämmt und gesponnen. wolleUnd beim Spinnen wird mir schon ein neues Ziel einfallen.

14. Etappe: Weil der Name Programm ist

In einer Welt, wo Himml für Bestattungen zuständig ist Unternehmen in Bayreuth

und Säuberlich die Badinstallation übernimmt, säuberlich

müsste der Weg nach Seeligstadt eben sein.

seeligstadt

Eben nicht. Seeligstadt.

Freudendorf hätte auch gereicht, fürs erste jedenfalls. Jeder fällt.

Früher oder später über das, was er auf dem Weg nach Seeligstadt entsorgt hat. Nicht alles, worüber wir stolpern, sind Findlinge. Viel öfter sind es Hingelegte.

Seeligstadt, so wie man es spricht, wie Glückstadt. Glückstadt kommt aus dem Dänischen von Lykstad. Und Dänen lügen nicht.

 

 

6. Etappe: Kurz vor Ostern weiß der Weihnachtsmann nicht, wohin

Rauschebart hat sich gerade so auf die Kreuzung gerettet. Wo sind die Rentiere? Und viel zu warm ist es auch. Der Weihnachtsmann hat wohl vor lauter Bescherungen die Zeit vergessen. Jetzt bringen ihn die Überstunden in Bedrängnis. Work-Life-Balance. Von wegen. Die Balance des ganzen nächsten Jahres ist in Gefahr.

Plüschweihnachtsmann, ca. 35 cm
Weihnachtsmann auf Straßenkreuzung

Völlig übermüdet hat der Alte mit dem Hasen Stress. Das ist seine Zeit. Die Süßigkeiten sind jetzt nicht mehr rund sondern eierförmig, ostereierförmig. So war das immer und jetzt? Jetzt buhlen zwei Superstars um die Herzen der Kinder und das Kleingeld der Eltern. Und wenn der Weihnachtsmann dann regulär wieder dran ist, hat er Burnout und die Eltern vermissen das Geschenke-Geld, denn bis dahin ist auch in der letzten Branche das Weihnachtsgeld gestrichen. Ist eigentlich jemand im Gegenzug mal drauf gekommen, Ostergeld einzuführen? Das wäre zwar nicht innovativ, jedoch wenigstens neu interpretiert. Das Weihnachtsgeld erfindet sich neu. Damit hats dann auch erst mal zu tun und der Weihnachtsmann ist wieder dran. Er könnte den Mantel ab- und sich Ohren anlegen und als Osterpraktikant dem Meister zur Hand gehen. Diese Inspirationen sind sicher sehr hilfreich, wenn es um die nächste Winterkollektion geht. Aber wird sich Langohr in seine Osterkarten schauen lassen? Wenn er seinem Praktikanten die alten Karten andreht, passiert auch an den Feiertagen, was uns aller zwanzig Jahre in der Mode ereilt. Du musst nur lange genug warten und wenn selbst die 13jährigen ihre Beine nicht mehr in die Skinnys gequetscht bekommen, nicht in der Wanne und nicht liegend auf dem Fußboden, ist Marlene wieder da, die gute alte Marlene-Hose mit Beinfreiheit für Raumgreifendes oder was die Trägerin sonst so vor hat. Ach, Weihnachtsmann, willste Schneider werden? Doch solange die Kaufhausketten mit den Papptüten Konjunktur haben, in denen man sich wohl aller fünf Wochen komplett neu einkleiden kann, ist das auch kein Zukunftsmodell, noch nicht mal, um über die Saison zu kommen, bis endlich wieder Weihnachten ist und Du Deine ganze Kompetenz ausspielen kannst. Aufnehmen darf ich Dich auch nicht. Die Wohnung gehört mir nicht und Weihnachten ist hochkommerziell. Die Steuern fehlten mir noch und es gibt auch gar kein Formular, in welches man die eintragen könnte. Gefahr gebannt.

Weihnachtsmann aus Plüsch auf Kreuzung mit Stadtreinigungsfahrzeug
Weihnachtsmannjob neu interpretiert. Moder. Flexibel.

Heute war er weg, der Mann fürs Feierliche. Die Stadtreinigung hat ihn nicht. Das hab ich gesehen. Modern. flexibel steht am Wagen. Weihnachtsmann hat das garantiert für sich interpretiert. Das können alle, die ihren Job können, ein Leben lang.