27. Etappe: Besser Benehmen, auch analog

Moderation

Martin Hoffmann, Onlineredakteur „Die Welt“ im Gespräch mit Kathrin Konyen.

Wir sind auf der BesserOnline-Konferenz 2015 des DJV in Köln.

Episode 1: Es ist die vorletzte Session unter dem Titel „Wie ich lernte, die Trolle zu lieben“. Diese Körperhaltung konnte ich beobachten, als Martin genau auf den Hintergrund des Titels der Veranstaltung angesprochen wurde.

An anderer Stelle fiel seine markante Formulierung „wir an der Front“. Gemeint war die Arbeit im Netz der sozialen Medien, die er gemeinsam mit drei weiteren festangestellten Kollegen erledigt. Ob man die Autoren in eine Onlinediskussion involviert, darüber war er sich noch nicht so klar. Klar, wenn die meisten freiberuflich unterwegs sind und die Honorar-Regelungen einen Onlinedebattier-Mehraufwand gar nicht möglich machen, bleiben die vier Onlineredakteure allein in der ersten Reihe an der Front. Es scheint Krieg zu sein.

Die reale Welt, in der wir leben, nennt er Hartholzwelt.

Episode 2: Oliver Seidl will in einer der ersten Sessions des Tages seine Entwicklung des LiveBlogs vorstellen. „Wenn die letzten Posts dann abgesetzt sind, können wir ja beginnen.“ Olivers Blick wandert dabei durch die Reihen der Zuschauer. Viele sehen nicht nach vorn sondern auf ihr Smartphone, Tablet, Laptop.

Scheitelstudien für den Referenten.

Der Referent repräsentiert ein startup. Er wirkt eifrig, aufgeregt, engagiert, brennt für sein Produkt. Der Zuschauer, auf dem Olivers Blick zu ruhen scheint, blickt nur sehr flüchtig auf und erwidert: „Das mach ich immer so.“

Der Vortrag beginnt.

Bedeutet BesserOnline IgnorantOffline? Bedingen schnelle Informationen ein Durch-Die-Kinderstube-Rasen? Wie soll ich Hinweise zu neuen Medien, Medienkanälen, Kommunikationsritualen von Menschen annehmen können, die sich benehmen wie die Axt im Hartholz?

 

 

26. Etappe: Der Terminmagnetismus

Die Wurzel zeigt, hier geht’s lang. Sie ist alt und liegt schon lange da. Sie schaut auch auf die Oberfläche. Kennt sich aus.

Doch wochenlang passiert nichts, rein gar nichts. Die Tage dümpeln so dahin. Der Akku vom Handy reicht ewig. Fast hättest Du vergessen, dass Du ein Telefon hast. Es ist sehr ruhig. Wenn Du alle Handgriffe in Zeitlupe erledigst, kommst Du mit so einem Tag ganz gut hin.

Es ist auch sehr langweilig. Es ist zu langweilig. Du beschließt, etwas zu unternehmen. Du findest auch eine Veranstaltung, die Dich interessiert.

Gut. Sehr gut. Wie klar der Eintrag in Deinem Kalender blinkert. Du wirst etwas vorhaben. Noch nicht morgen, aber bald. Bald ist es soweit. Du bist zufrieden.

Doch kaum hast Du diesen Moment begonnen, auszukosten, zu genießen, klingelt das Telefon. Das Telefon, welches in die Permaruhe abgetaucht war, muss läuten und kann sich gar nicht mehr zurückhalten. Da ist jemand dran, von dem Du  lange nichts mehr gehört hast. „Wollen wir uns treffen? Ich schlage den…“ Und was hörst Du, genau der Tag ist auserkoren, auf dem Dein neuer Termin blinkert. „Ja passt, aber nur bis… .“ Ihr verabredet euch. Fühlt sich gut an. So viel zu tun. Was ist das denn? Auch im Mailpostfach tut sich so einiges. Drei Anfragen, ob Du etwas übernehmen könntest.

Vorbei die Zeitlupenruhe. Nix mit Dümpeln und Langeweile. Beeilen musst Du Dich, um alles zu schaffen.

Das Phänomen wiederholt sich. Und wann immer Du Lust auf was Neues hast, nimmst Du Dir selbst etwas vor. Dabei ist es völlig gleichgültig, was es ist. Ein Arzttermin, eine Ausstellung, ein Kinobesuch, Shoppen. Schreib Dir Deinen persönlichen Termin in den Kalender und lass Dich überraschen, was passiert.

Der Terminmagnetismus beginnt augenblicklich zu wirken. Er sendet Signale. Er sendet auf einer Frequenz, die niemand kennt und doch alle verstehen. Er sendet ins Universum und bekommt Antwort. Ungefragt. Einfach so. Leute, die sich sympathisch finden, finden sich, Leute mit gleichen Auffassungen finden sich, Termine finden Termine und kreuzen sich. Das machen sie überhaupt am Liebsten. Sie lassen auf sich warten und kommen dann geballt und wollen Entscheidungen hören, wollen eingeordnet werden. Dann stellen sie sich auch fein an, einer nach dem anderen.

Diese Termine mit ihrem Magnetismus. Ihre Sende-Frequenz zu berechnen, wäre ein Thema für den Nobelpreis.

Wohin deutet die Wurzel dieser Dynamik und warum?