12. Etappe: Trainerwechsel, Ortswechsel, Jobwechsel, Partnerwechsel

Die verflixten sieben Jahre. Kloppo geht wo auch immer hin. Seine Zeit bei Dortmund ist abgelaufen. Er gehört zu denjenigen, die sehr lange bei einem Verein waren. Andere Mannschaften haben diesbezüglich viel sportlichere Wechsel-Frequenzen. Besonders im Männer-Fußball scheint das üblich zu sein. Wenn’s nicht läuft, Trainerwechsel. Zu gerne würde ich mal hinter den Kulissen lauschen. Insiderwissen fehlt mir völlig. Entweder ist das nur und ausschließlich im Männer-Fußball so oder wir erfahren einfach nur aus diesem Sportbereich diese Fakten, weil es um viel Geld geht, weil die Ligen in allen Medien allgegenwärtig sind, vielleicht.

 

Der Gedanke des systematischen Aufbaus scheint hier unmodern. Alles muss klappen, von der ersten Minute an.
Nach dem Trainerwechsel wird von einer gewissen Dynamik gesprochen, die die kommenden drei Spiele begleiten soll. Das kann helfen, aus der Kellerregion aufzusteigen oder in die Spitzengruppe vorzudringen oder eben nicht. Alles darf, nichts ist gesetzlich garantiert. Es gibt Dynamiken. Die sind bekannt. Die werden akzeptiert. Auf die setzt man auch.
Beim Ortswechsel ist das nicht so. Jobwechsel streben manche Menschen direkt an. Spätestens aller fünf Jahre soll sich etwas ändern. Gern nach oben, wo immer das auch ist. Die Karriereleiter rauf. Gastronomen werden noch intensiver angefeuert, schneller zu wechseln. Was wiederum den angenehmen Nebeneffekt der schnellen, unkomplizierten Wechsel hat. Es wird nicht lange diskutiert. Anfangen und gut. Alles andere entwickelt sich. Viele Stationen im Lebenslauf sind völlig in Ordnung.
Bei einem Uhrmacher oder Schuster kann ich mir das nicht vorstellen. Wahrscheinlich wird es 30jährige Firmenjubiläen auch nur noch in Geschichtsbüchern geben. Wechsel sind normal. Wechsel bringen nach vorne, Erfahrungen sammeln, Horizont erweitern.
Wenn Kinder mit ihren Eltern nicht zufrieden sind, können sie nicht wechseln und umgekehrt. Wenn nach einer gewissen Zeit der Partner gewechselt wird, gibt’s in alle Himmelsrichtungen schlechte Presse. Warum sind die einen Wechsel gut und die anderen desaströs, unmoralisch und verpönt? Warum ist wiederum der Perspektivwechsel in den Kreativtechniken ein probates Mittel, besser zu werden, Kunden adäquat anzusprechen, Produkte zu veredeln und einzigartig zu machen?

 

Der Wechsel, das rätselhafte Wesen. Er ist männlich. Ist das für diese Betrachtung relevant?

11. Etappe: Ich bin in der elften Woche

Ich bin in der elften Woche. Ohne Job. Wie bei Schwangerschaften ist die Zeit des akuten, permanenten Übergebens jetzt vorbei. Schlecht wird mir aber immer noch. Jedoch mach ich mir nichts mehr draus, zu Seniorenzeiten im Fitty zu trainieren. Ich geb zu, anfangs hatte ich mit dem Gedanken gespielt, wie immer, 7.00 Uhr vor der Tür zu stehen. Dann denken alle, die geht noch zum Dienst. Geht sie aber nicht. Und niemanden interessiert das. Wenn ich es nicht erzähle, gefragt wird nicht.

In der elften Woche habe ich mich schon neunmal in die unterschiedlichsten Unternehmen hineingedacht, mich mit Produkten und Lösungen auseinandergesetzt und identifiziert. Philosophien gelesen und verstanden, neue Schuhe und Shirts für Gespräche gekauft. Drei Anzeigen, sechs Initiativbewerbungen. Initiative zu ergreifen, bekommt mir besser. Anzeigen werden auch geschrieben, wenn es sein muss und intern eigentlich schon alles klar ist, was alle wissen, aber keiner wissen darf.

Hinter den Kulissen passiert so einiges.

Ohne Job zu sein, verlangt viel Energie. Es gibt keine Routinen mehr. Es braucht neue Tagesabläufe, mehr Optimismus als sonst, jeden Tag neue, zielführende Ideen, realisierbare Pläne, die nichts kosten.

Jetzt weiß ich noch genauer, warum ich mir jedes Wort genau überlegt habe bei den Texten für itsax.de. Gründeridee vor mehr als fünf Jahren war der Umgang und das „wie weiter“ mit abgelehnten Bewerbern der IT-Branche. Oft sind die Anforderungen so sehr speziell, dass auch die besten Bewerber von einem Unternehmen nicht genommen werden können. Wenn sie jedoch so gut sind, dass man sie jederzeit empfehlen kann, werden sie mit einem Empfehlungscode einem Pool an Unternehmen präsentiert. Diese wiederum können so schneller ihre Fachkräfte finden.
Schöne Idee und vor allem am Selbstbewusstsein des Bewerbers orientiert. Es geht um Menschen, um Talente, um Chancen und Zukunft.
Im wirklichen Leben einer ganz anderen Branche geht das Ablehnen von Kandidaten so: „…Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir Ihre Bewerbung auf Grund der Vielzahl der eingegangenen Bewerbungen nicht berücksichtigen können. …“
Dann lieber gar keine Post.
Es geht immer um Menschen, um Talente, um Chancen und Zukunft.