2. Etappe: Flatrate auf Erfindungen

Flatrate auf Erfindungen mit Kreativtechniken
Heute: Kombinieren und Verbinden – Dein Start ins Leben als Kreativer

Das Rad kennen wir. Und nun? Müssen wir es erneut erfinden oder uns immer wieder neu erfinden?

Wird mit 21. Jahrhundert etwas erfunden, geschieht das meistens durch die Kombination bereits bekannter Dinge, Sachen, Methoden, Verfahren und ihrer Verbindung in einer so noch nie da gewesenen Art und Weise. Das nennen wir dann genial. Wir staunen und staunen und meinen, das hätten wir so noch nie gesehen. Doch, haben wir, nur in anderen Kombinationen.

Daher bin ich auch so frech und behaupte, jeder ist kreativ. Jeder Mensch kann schauen, beobachten und das Gesehene neu mischen, würfeln oder eben kombinieren und verbinden. Soweit zur grauen Theorie.

Auf geht’s in die bunte Praxis.

Viele Seiten im Internet beschäftigen sich mit Kreativtechniken. Das Problem für Ungeübte ist, dass sie sich zu viel noch Unbekanntes vorstellen müssen. Wer mutig in sein neues Leben als Kreativer starten möchte, braucht ein paar Leitplanken, ein paar Bilder, Beispiele als Anregung.

Ein Seminar zu besuchen, ist oft zu teuer oder nicht erreichbar. Anschauungsvideos gibt’s viele doch was ist das richtige? Recherche endet in Zeitverschwendung und der eben erwachte Wunsch, kreativer arbeiten zu wollen, geht wieder schlafen.

Nicht heute. Heute gibt’s ein Beispiel für die Kreativtechnik Kombinieren und Verbinden:

Wir arbeiten mit Ton, Silikon, Wolle und Schnürsenkeln. Stirnrunzeln wahrscheinlich, ungläubiges Grinsen auch.

Ausgangspunkt: Ich möchte ein ganz besonderes Geschenk basteln. Dieses Geschenk soll aus roter Keramik sein und eine Abbildung der Marathonmedaille von New York enthalten. Problem: Keramik ist ein für mich völlig unbekanntes Material. Habe bisher nur einmal getöpfert und auch das war ein Experiment. Menschen, die problemlos Teller und Schüsseln töpfern können, können ja dranbleiben und sich amüsieren. Für alle anderen folgt …

Schritt1: Stempel bauen. Dazu verwendet man zwei Komponenten, die zusammengerührt eine Silikonmasse ergeben. Gibt’s im Netz für unter 20 Euro. Diese Masse wird in ein Gefäß geschüttet, welches ein wenig größer ist als die Medaille. Dann geduldig warten und die Medaille wieder entfernen. Der Stempel ist fertig.

Schritt2: Der Ton macht die Musik. Und wie der trompetet. Unzählige Versuche mit und ohne Scheibe sind schief gegangen. Es fehlen zwei gute Freunde, die Übung und die Zeit dafür. Der Wunsch nach einer roten Teller- bzw. Schüsselkeramik bleibt.

Schritt3: Auf der Suche nach unterschiedlichen Verarbeitungsmöglichkeiten von Ton kam ich auch auf Gießformen. Doch auch die sind teuer und so differenziert beschrieben, dass nur Auskenner wissen, was sie bestellen wollen. Irgendwo fand ich dann die einfache Lösung: Rolle den Ton mit dem Nudelholz. Das kann ich. Ist wie beim Plätzchen backen.

Schritte4-6: Platte gewalzt, Stempel in die Mitte gedrückt und den Rand gelocht.

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Schritte7-9: Trocknen. Brennen. Glasieren. Wer jetzt keine Schwägerin mit Brennofen hat, hat eine neue Herausforderung zu meistern. Ich habe Glück.

Schritt10: Schüsselrand häkeln. In diesem Beispiel wird vierfädig und mit Nadelstärke 4 gearbeitet. Der Rand muss sehr stabil sein.

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Schritt11: Schnürsenkel verbinden Rand mit Teller durch die angelegten Löcher. Schnürsenkel deshalb, weil sie erstens stabil sind und zweitens die Beschenkte mir die Schuhe zu oben erwähntem Marathon gesponsert hat. Konzeptkunst.

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Schritt12: Den verbleibenden Schnürsenkel teilen und Henkel formen. So kann die Schüssel auch getragen werden. Fertig.

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Wer kennt eine gestempelte Obstschüssel aus rotem Tonzeug mit Wollrand und Schnürsenkeln?

Ich freu mich auf Bilder weiterer Erfindungen, die durch Kombinieren und Verbinden entstanden sind.

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1. Etappe: Wie ungesund ist das Laufen in der Stadt?

Der Ansturm im Fitness Center hat sich gelegt. Die alljährlichen guten Vorsätze verblassen. Doch schon kommt, auch wie jedes Jahr, der Boom, mit Achim Achilles um die Wette zu Joggen. Die Kolumnen haben einfach noch mehr pepp, wenn man mitreden und dann auch viel besser mitlachen kann. So weit so wiederholend. Also raus.

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Die Luft ist herrlich. Die Sonne gibt ihr Bestes. Es ist knackekalt, nur ganz knapp unter Null. Der Himmel blank geputzt und schon lange vor mir munter. Straßen und Wege sind trocken, nur der Raureif auf den Pflastersteinen mahnt zur Vorsicht. Achtsam bleiben, ist immer richtig. Und da es auch für Jogger keine eigenen Verkehrsregeln gibt, bremst die rote Ampel für Momente meinen Lauf. Bei fünf davorliegenden Lichtsignalen hatte ich grünes Glück für kleine Zwischensprints. Es ist also ein guter Tag. Der Mensch wird nicht an jeder Ecke mit Warnungen vor irgendetwas aufgehalten. „Das bringt Ihnen gar nichts“, holt mich eine tiefe Stimme aus dem Hochgefühl. „Wieso, ich will doch in die Hügel“, antworte ich völlig irritiert. Doch den Typen interessiert mein Trainingsplan nicht. „Das Joggen hier ist gänzlich ungesund.“ Mit einem kopfschüttelnden „Rumsitzen aber auch“ verabschiede ich mich auf meine Strecke und habe weitere sieben Kilometer Zeit, darüber nachzudenken, ob er recht hat und warum vielleicht. Vor 14 Jahren schrieb die menshealth

„Auch wenn die Schadstoffwerte auf der Laufrunde höher liegen: Ausdauertraining im niedrigen Intensitätsbereich hat immer einen positiven Effekt“, sagt Dr. Bernd Gimbel, fachlicher Leiter am Institut für Trainingsberatung in Reinheim. Tipp: An Straßen mit Bäumen beziehungsweise mit Grünstreifen ist der Kohlenmonoxid-Gehalt in der Luft laut verschiedenen Studien geringer.“

Sollte sich in den vergangenen Jahren so viel verändert haben? Ich laufe im Dresdner Süden, nicht in Paris oder Bangkok?

Vor vier Jahren warnte auch die Süddeutsche in einem Artikel über eine Studie zum Thema Joggen in der Stadt: „An der Studie beteiligten sich 20 Männer, die bereits einen Herzinfarkt erlitten hatten. Sie trainierten zweimal 15 Minuten lang auf einem Fahrradergometer. Dabei atmeten sie entweder gefilterte Luft ein oder Dieselabgase in einer Konzentration, die auch im Straßenverkehr vorkommt.

Da die Studie jedoch an Männern durchgeführt wurde, deren Herzen bereits geschwächt waren, lassen sich die Resultate nicht direkt auf die gesunde Bevölkerung übertragen. Dennoch empfiehlt ein Experte aus Boston in einem Kommentar, nicht neben viel befahrenen Straßen Sport zu treiben.“

Über den inflationären Gebrauch der Qualifikation „Experte“ will ich mich hier gar nicht näher auslassen. Doch in Boston wird die Situation wahrscheinlich doch etwas anders liegen als in Döltzschen.

Und dann finde ich einen Artikel, den besagter Typ wohl heute mindestens fünf Stunden vor mir gelesen haben muss. Weil wir doch grad bei Experten waren. Auf Experto wird heute Thomas Pfister zum Thema Joggen in der Stadt zitiert: „Den meisten ist gar nicht bewusst, dass sie sich dadurch einer sehr hohen Gesundheitsgefahr aussetzen.“

Und weiter heißt es: “Das Jogging in der Stadt kann sehr schädlich sein und zu ernsten Erkrankungen führen. Da wäre es besser, wenn Sie erst gar nicht laufen würden.“ Das hatte ich heute doch schon mal gehört.

Folgt man den Aussagen des Artikels, liegt gewaltig viel Ärger in der Luft.

„Im Ruhezustand atmen wir etwa 10% der Luft in der Lunge ein und aus. Bei starker Anstrengung wie beim Jogging steigt diese Menge auf bis zu 60%. In den Lungenbläschen verbleiben immer 20% der Luft, gleichgültig wie stark wir ausatmen.

In den Lungenbläschen gelangt der eingeatmete Sauerstoff in winzige Blutgefäße (Kapillaren) und wird in alle Körperteile transportiert. Ein Lungenbläschen misst etwa 0,2 Millimeter. Seine Wand ist eine Schicht aus einzelnen Zellen. Diese Schicht ist sehr dünn, so dass die Gase leicht zwischen dem Lungenbläschen und den Kapillaren ausgetauscht werden können. Ist der Körper – wie zum Beispiel beim Jogging – unter Anstrengung, wird mehr Luftvolumen in die Lungen eingeatmet. Die Lungenbläschen erweitern sich. Somit werden auch die Autoabgase und der Feinstaub vom Körper aufgenommen. Das Risiko einer ernsten Erkrankung steigt, je öfter man sich in schlechter Luft bewegt.“

Dann folgen allerdings zehn Binsenwahrheiten und schon habe ich gar keine Lust mehr auf die Forschungsergebnisse des Herrn Pfister. In seinem ersten Punkt, der auf die Dämpfung der Schuhe abhebt, ist alles und gar nichts gesagt. Schade. Flachland. Punkt 5 der Aufzählung mahnt: Achten Sie auf den Verkehr und auf die Verkehrsteilnehmer. Ja und, ergänze ich, lassen Sie den Läufern unterwegs ihren Spaß. Ich fauche ja auch nicht jeden Käsebrötchen-Esser an, er solle es lieber gegen eine Mango eintauschen.

Prolog

Wie viele Seiten müssen geschrieben werden, um zwei Stunden zu füllen? Falsche Frage. Wie ist es für den fremden Leser möglich, nachvollziehen zu können, was in einem anderen Kopf so vorgeht? Schon besser. Wer will das wissen? Keine Ahnung. Habt ihr eine Vorstellung davon, was einem im Kopf rumschwirrt, wenn man zwei Stunden läuft? Bis vier Stunden kann ich liefern. Alles darüber hinaus ist auch für mich noch ein Geheimnis. 100 Kilometer, rund zehn Stunden laufen. Was denkt man da? Denkt man überhaupt noch? Ist das dann schon eine neue Dimension oder ist Denken dann irrelevant?

Ja, Denken ist wichtig. Vor-, nach-, um- und weiter-, Hauptsache Denken. Geistige Schlamperei macht mich rasend. Schablonen auflegen auch. Obwohl…Techniken sind auch eine Art Schablonen im Geiste. Kreativtechniken zum Beispiel. Gut, ich ziehe zurück. Es sind nicht die Schablonen. Es sind die Klischees. Frische Luft muss ran. Ideen wollen spazieren gehen. Also befreien wir sie, wo auch immer eine Tür zu viel verschlossen ist.

Improvisation zum Thema Du bist die Kunst.
Du bist die Kunst. Ausstellung in der Meissner Albrechtsburg